Bortle-Skala

Die vom Astronomen John Bortle entwickelte und mittlerweile nach ihm benannte Skala soll die Güte und Dunkelheit des Nachthimmels nachvollziehbar und beschreibbar machen. So können die Beobachtungsbedingungen sinnvoll bewertet und zwischen verschiedenen Orten und Zeiten objektiv verglichen werden. Unterschiedliche Erfahrungswerte verschiedener Beobachter sollen nach Bortles Vorstellung damit keinen Einfluss mehr auf die abgegebene Bewertung der Himmelsgüte haben.

"Zodiakallicht" by Malcol. Licensed under Creative Commons Attribution 3.0 via Wikimedia Commons

„Zodiakallicht“ by Malcol. Licensed under Creative Commons Attribution 3.0 via Wikimedia Commons

Mit Hilfe der Bortle-Skala kann man abschätzen, welche Himmelsobjekte sichtbar sind und wie groß der Einfluss der Lichtverschmutzung ist. Die Skala definiert Klasse 1 als die dunkelsten Himmelsanblicke, die es auf der Erde gibt. Die Klasse 9 beschreibt sehr helle Himmelsanblicke, wie sie heute im Zentrum der meisten Städte zu sehen sind. Zur Definition jeder einzelnen Klasse werden die Grenzhelligkeiten von Sternen für das bloße Auge und für ein typisches Teleskop angegeben. Da beide aber durchaus von der optischen Qualität des eingesetzten Gerätes und den persönlichen Fähigkeiten und körperlichen Möglichkeiten des Beobachters abhängen, hat Bortle dieses Kriterium um weitere Bedingungen ergänzt. Hier bezieht er vor allem die Sichtbarkeit von nicht punktförmigen Objekten sowie den Gesamteindruck der Sternbilder mit ein. Die Klassen definieren sich durch folgende Kriterien:

Klasse 1: Ort mit außergewöhnlich dunklem Himmel

  • Grenzhelligkeit für das bloße Auge 7,6 bis 8,0.
  • Grenzhelligkeit für einen 20 cm-Dobson 15,0.
  • Das Zodiakallicht ist mit allen seinen Teilen deutlich über den ganzen Himmel sichtbar.
  • M33 ist auch ohne indirektes Sehen mit dem bloßen Auge klar zu erkennen, die hellsten Teile der Milchstraße erzeugen einen Schatten.
  • Die Aufhellung des Horizonts durch Airglow ist auffällig.
  • Ein auf einem freien Feld stehendes Teleskop bleibt nahezu unsichtbar.

Klasse 2: Ort mit wirklich dunklem Himmel

  • Grenzhelligkeit für das bloße Auge 7,1 bis 7,5.
  • Grenzhelligkeit für einen 20 cm-Dobson 14,5.
  • Airglow wird typischerweise erkannt, M33 ist einfach mit direktem Sehen zu erkennen.
  • Die Sommermilchstraße zeigt Strukturen, das Zodiakallicht ist deutlich in der Dämmerung erkennbar.
  • Wolken am Himmel erscheinen als dunkle Stellen vor dem Sternenhimmel.
  • Ein Teleskop kann nur vage und am besten als Silhouette gegen den Himmel gesehen werden.

Klasse 3: Landhimmel

  • Grenzhelligkeit für das bloße Auge 6,6 bis 7,0.
  • Grenzhelligkeit für einen 20 cm-Dobson 14,0.
  • Die ersten Anzeichen für künstliches Streulicht lassen sich am Horizont erkennen, Wolken können bereits in Horizontnähe leicht von unten beleuchtet sein.
  • Die Milchstraße wirkt komplex, Kugelsternhaufen wie M4, M5, M15 und M22 sind alle deutlich mit dem bloßen Auge erkennbar, M33 erkennt man mit indirektem Sehen leicht.
  • Das Zodiakallicht kann im Herbst und Frühling deutlich erkannt werden.
  • Ein Teleskop wird aus 6 bis 10 m Entfernung vage erkannt.

Klasse 4: ländlicher bzw. vorstädtischer Übergang

  • Grenzhelligkeit für das bloße Auge 6,1 bis 6,5.
  • Grenzhelligkeit für einen 20 cm-Dobson 13,5.
  • Lichtglocken über besiedelten Gegenden sind deutlich zu sehen.
  • Das Zodiakallicht wird erkannt, reicht aber nicht weiter als den halben Weg zum Zenith.
  • Die Milchstraße ist sichtbar und zeigt noch die stärksten Strukturen.
  • M33 kann mit indirektem Sehen gesehen werden, sofern er höher als 50 Grad über dem Horizont steht.
  • Wolken sind nur noch direkt im Zenith dunkel, in allen anderen Richtungen erscheinen sie von unten hell.
  • Das auf dem Feld stehende Teleskop wird auch aus größerer Entfernung eindeutig erkannt.

Klasse 5: Vorstadthimmel

  • Grenzhelligkeit für das bloße Auge 5,6 bis 6,0.
  • Grenzhelligkeit für einen 20 cm-Dobson 13,0.
  • Vom Zodiakallicht sind nur noch in den vorteilhaftesten Nächten im Herbst und Frühling Anzeichen zu erkennen.
  • Die Milchstraße ist in Horizontnähe nicht mehr zu sehen und erscheint auch im Zenith ohne Strukturen.
  • Künstliche Lichtquellen sind überall vorhanden, Wolken sind von unten immer deutlich heller als der Himmel.

Klasse 6: heller Vorstadthimmel

  • Grenzhelligkeit für das bloße Auge 5,1 bis 5,5.
  • Grenzhelligkeit für einen 20 cm-Dobson 12,5.
  • Das Zodiakallicht ist zu keiner Zeit mehr sichtbar, die Milchstraße erkennt man nur noch im Zenith.
  • Bis zu einer Höhe von 35 Grad über dem Horizont leuchtet der Himmel grau-weiß, Wolken erscheinen am ganzen Himmel hell.
  • M33 wird nur noch im Feldstecher sichtbar, M31 kann mit bloßem Auge schwach gesehen werden.
  • Sie können problemlos Zubehörteile des Teleskops erkennen.

Klasse 7: Vorstädtischer/städtischer Übergang

  • Grenzhelligkeit für das bloße Auge 4,6 bis 5,0.
  • Grenzhelligkeit für einen 20 cm-Dobson 12,0.
  • Der Himmel zeigt überall einen grau-weißen Ton, starke künstliche Lichtquellen bestimmen die Umgebung.
  • Die Milchstraße ist nahezu unsichtbar, M44 und M31 können mit dem bloßen Auge noch undeutlich erkannt werden.
  • Wolken erscheinen hell erleuchtet, auch in mittelgroßen Teleskopen zeigen die meisten Messier-Objekte kaum noch Details.

Klasse 8: Stadthimmel

  • Grenzhelligkeit für das bloße Auge 4,1 bis 4,5.
  • Grenzhelligkeit für einen 20 cm-Dobson 11,5.
  • Die Farbe des Himmels ist weiß-grau oder sogar schon orange, Sie können bei seinem Schein problemlos Schlagzeilen in gedruckten Zeitungen lesen.
  • M31 und M44 werden von erfahrenen Beobachtern in guten Nächten noch gesehen.
  • Im mittelgroßen Teleskop erkennt man nur noch die hellsten Messier-Objekte.
  • Einige der Sterne, die zu den bekannten Linien der Sternbilder gehören, sind schwer oder gar nicht mehr sichtbar.

Klasse 9: innenstädtischer Himmel

  • Grenzhelligkeit für das bloße Auge 4,0.
  • Grenzhelligkeit für einen 20 cm-Dobson 11,0.
  • Der Himmel ist hell erleuchtet.
  • In allen Sternbildern sind viele der Sterne, die ihre Hauptlinien bilden, nicht sichtbar, viele der schwächeren Sternbilder sind vollständig unsichtbar.
  • Von den Messierobjekten kann man höchstens die Plejaden mit bloßem Auge erkennen.
  • Im Teleskop bieten nur der Mond, die hellen Planeten und wenige der hellsten Sternhaufen einen ansprechenden Anblick.

Die Klassen 1 und 2 treten in Mitteleuropa nicht mehr auf. Die meisten Amateurastronomen können daher in Deutschland und seinen Nachbarländern keine Referenz für einen wirklich dunkeln Himmel mehr erfahren.

Buchbesprechung: Himmelsfotografie mit der digitalen Spiegelreflexkamera

von Stefan Seip

Auflage: 2.
Erscheinungsjahr: 2014
Ausführung: kartoniert
Seiten: 163

Wer eine digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) besitzt, kommt schnell auf die Idee, diese auch für Nachtaufnahmen und Aufnahmen des Himmels einzusetzen. Mit leistungsfähigen modernen Kameras gelingen schnell gute Aufnahmen, vor allem, wenn Sie vorher eine gute Anleitung zu Rate ziehen. Stefan Seip, international als guter Astronomie- und Naturfotograf bekannt, liefert hier eine grundlegende Anleitung für die Erstellung der Fotos aber auch für deren nachträgliche Bearbeitung.

h2006feDie ersten vier Abschnitte des Buches beschreiben jeweils eine bestimmte Art, Fotos des nächtlichen Himmels zu bekommen. Wenn Sie diese Abschnitte nacheinander durcharbeiten, gelangen Sie von den einfachen Schritten zu den komplizierten. Einfach und kompliziert bezieht sich nicht nur auf die notwendigen Arbeitsschritte, sondern auch auf die notwendige Ausrüstung. Am Anfang steht die Kamera auf dem Stativ, also eine Ausrüstungskombination, die nahezu jeder ambitionierte Fotograf zur Verfügung hat. Am Ende stehen lange Belichtungen durch ein astronomisches Teleskop, bei denen neben der eigentlichen DSLR ein vollständiges Teleskop und diverse Zubehörteile benötigt werden. Als zwei mögliche weitere Ausrüstungskombinationen beschreibt Seip die Verwendung der DSLR auf einer Astro-Montierung und die Nutzung des astronomischen Teleskops als Teleobjektiv.

M101_20Da_45_6h18_2Alle vier Arten der Fotografie werden zunächst mit ihren Grundlagen vorgestellt. Sie erfahren, wie die Ausrüstung genau aussehen muss, welche Probleme Sie erwarten können und welche Ergebnisse Sie erzielen können. Den Hauptteil der Abschnitte machen jedoch immer geeignete Motive aus. Zu jedem Motiv gibt es ein gutes Beispielbild, eine ausführliche Beschreibung und die Aufnahmedaten. Vor allem die Angaben zur genutzten Kamera, der verwendeten Optik und der eingestellten Blende, Belichtungszeit und Empfindlichkeit sind sehr wertvoll, um die Ergebnisse selber nachvollziehen zu können. So erkennen Sie, dass es auch mit einfacher Ausrüstung möglich ist, schöne Fotos von Finsternissen, Halos oder Planetenkonstellationen vor Landschaften zu machen. Für manchen dürfte ebenfalls erstaunlich sein, dass man Sternhaufen, Gasnebel und manche Galaxien bereits mit einem guten Teleobjektiv auf einer astronomischen Montierung fotografieren kann. Spätestens beim Abschnitt zu langen Belichtungen durch das Teleskop finden sich dann die „klassischen“ Motive der Astrofotografie wieder.

Das letzte Drittel des Buches befasst sich dann mit den notwendigen Aufnahmetechniken und vor allem mit der Bildbearbeitung. Einen Großteil des Weges zu einem guten und gelungenen Bild legen Sie heute nicht mehr an der Kamera, sondern am Computer zurück. Dem Autor gelingt es mit diesem Buch, Ihnen zu zeigen, wie die Wahl der Ausrüstung und des Motivs, die Durchführung der Fotografie und die nachträgliche Bearbeitung der Bilddaten ineinander greifen und zu einem guten Ergebnis führen.

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